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Die Bedeutung der Honigbiene

 

1. ALLGEMEINES

In Deutschland werden von etwa 90.000 Imkern rund 900.000 Bienenvölker gehalten.

Obwohl sich die Mehrzahl der Bienenstände heute nicht mehr in bäuerlichen Betrieben befindet, ist die Bienenzucht als Tierzuchtzweig ein Teil der Landwirtschaft.

Die Bienen sammeln einerseits Nektar, Honigtau und Pollen von Feld und Wald als Nahrung und Grundlage der Honigerzeugung, andererseits sichern sie durch Blütenbestäubung die Erträge zahlreicher Nutzpflanzen.

Honigbienen werden vom Menschen seit Jahrtausenden als Haustiere gehalten.

In neuerer Zeit können sie dank weitgehend kontrollierter Paarung mit zunehmendem Erfolg in Richtung Sanftmut, Widerstandsfähigkeit und Honigleistung auch züchterisch bearbeitet werden. Deshalb gilt die Bienenhaltung selbst in Außenbezirken von Großstädten auch heute noch als "ortsüblich".

In der Tierseuchengesetzgebung wird die Biene wie alle anderen Haustiere behandelt.

Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch stehen dem Bienenhalter gewisse Sonderrechte zu.  Auch gegenüber Pflanzenschutzmaß-nahmen ist der Bienenschutz gesetzlich geregelt.

Trotzdem ist die Honigbiene juristisch nicht als Haustier anerkannt, da sie frei fliegt und sich nicht zähmen lässt.

 
2. ETHISCHER WERT

Die Bedeutung der Bienenhaltung bezieht sich zwar vor allem auf den im folgenden behandelten wirtschaftlichen Nutzen.

Nicht zu unterschätzen ist aber auch ihr hoher ethischer Wert.

Bei einer durchschnittlichen Standgröße von 10 Völkern besteht der größte Teil der deutschen Imkereien aus Kleinstbienen-ständen.

So gilt die Imkerei auch als naturnahe, ausgleichende, entspannende und zudem ein wenig einträgliche Freizeitbeschäftigung. Die Imker sind sich darüber hinaus des Nutzens der Bienen für die Allgemeinheit bewußt.

  
3. DER WIRTSCHAFTLICHE NUTZEN DER HONIGBIENEN

Man unterscheidet hierbei den direkten Nutzen, das sind die Produkte der Bienenhaltung, die der Imker direkt gewinnt, und den indirekten Nutzen, den die Bienen durch ihre Bestäubungsleistung bringen.

Rund 80 % der 2.000 – 3.000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Honigbienen als Bestäuber angewiesen.

Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung übersteigt den Wert der Honigproduktion um das 10- bis 15-fache.  Dies sind rund 2 Miliarden Euro jährlich in Deutschland und 70 Milliarden US-Dollar weltweit.

Damit nimmt die Honigbiene den 3. Platz der wichtigsten Nutztiere hinter Rind und Schwein ein.

 

Auch Obst und Gemüse profitieren deutlich, denn Erträge und Qualitätsmerkmale wie Gewicht, Gestalt, Zucker-Säure-Gehalt, Keimkraft, Fruchtbarkeit und Lagerfähigkeit werden deutlich gesteigert.

 

BIOLOGIE DER HONIGBIENE

1. Honigbienen im zoologischen System
2. Das Bienenvolk 
3. Jahreszeitlicher Rhythmus im Bienenvolk 
 
  
1. HONIGBIENEN IM ZOOLOGISCHEN SYSTEM 
  
Klasse der Insekten (Insecta):

Sie vertritt mit schätzungsweise 700.000 mehr als zwei Drittel aller Tierarten der Welt.

Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera):

Zu den ca. 10.000 Arten gehören Ameisen, Bienen und Wespen.

Überfamilie der Bienen (Apoidea):

Die meisten der ca. 20.000 Arten sind solitär (einzeln lebend).

Familie der echten Bienen (Apidae):

Ihr gehören u. a. auch die Hummeln an.

Gattung der Honigbienen (Apis):

Charakteristisch ist die Anlage ihres Nestes:

senkrechte Stellung der aus sechseckigen Zellen bestehenden Waben.

Diese dienen der Brutpflege und der Aufnahme von Honig- und Pollenvorräten.

Man kennt 9 Arten der Honigbienen. 8 von ihnen leben in Asien.

6 Arten bauen eine einzelne, frei hängende Wabe.

2 weitere, die östliche oder asiatische Honigbiene (Apis cerana) und eine jüngst entdeckte Art, legen wie die westliche Honigbiene mehrere Waben in Höhlen (Bäumen, Felsen) an.

Art der (westlichen) Honigbiene (mellifera):

Unsere Honigbiene (Apis mellifera L.) ist in Afrika und - mit Unterbrechung der Eiszeiten - in Europa beheimatet.

 
2. DAS BIENENVOLK 
  
Es ist eine Familie mit drei Wesen:
- Die Königin als Mutter
- ca. 8000 bis 40.000 Arbeiterinnen als Töchter
- ca. 500 bis 1000 Drohnen als Söhne

  
Die drei Bienenwesen und ihre Aufgaben

Die KÖNIGIN oder WEISEL paart sich auf mehreren Hochzeitsflügen während einer einmaligen Brunstzeit mit ca. 10 - 20 Drohnen. Danach trägt sie in ihrer Samenblase den Spermienvorrat für die Dauer ihres Lebens (2-5 Jahre). In der Bienenfamilie sind die Väter nur als Sperma vorhanden.

Aufgaben der Weisel sind:

Eiablage und Zusammenhalt des Bienenvolkes durch Absonderung von Weiselpheromonen. Diese wirken anziehend auf die Arbeiterinnen und hemmend auf die Entwicklung ihrer Eierstöcke. Sie regen die Baulust der Arbeiterinnen an und wirken als Sexualduft auf die Drohnen beim Paarungsflug.

Die begattete Königin legt wahlweise befruchtete Eier, aus denen weibliche Tiere entstehen, oder unbefruchtete (Drohnen-) Eier.

Die Königin ist mit einem "Hofstaat" von mehreren ständig wechselnden jungen Arbeiterinnen umgeben, die sie pflegen, das Weiterreichen der Weiselpheromone gewährleisten und die Weisel 4-7 mal je Stunde aus ihren Futtersaftdrüsen mit einer gehaltvollen Nahrung versorgen.


Die ARBEITERINNEN (oder Arbeitsbienen) sind wie die Königin weiblich.

Im Gegensatz zur Weisel haben sie rückgebildete Geschlechtsorgane, aber ausgebildete Sammelwerkzeuge Körbchen als Vertiefungen zum Pollensammeln an den Hinterbeinen, längere Rüssel zum Nektarsammeln).

Alle Arbeiten, wie Nestbegründung und -verteidigung, Brutpflege, Nahrung sammeln usw. sind auf die Arbeitsbienen verteilt. Ihre Tätigkeiten im Einzelnen sind in Abschnitt 4. "Jahreszeitlicher Rhythmus im Bienenvolk/Arbeiterinnenver-mehrung" näher beschrieben.

Arbeiterinnen sind nicht begattungsfähig. Bei Weisellosigkeit können sie unbefruchtete Eier legen.


DROHNEN sind die männlichen Geschlechtstiere.

Aus unbefruchteten Eiern entstanden, verfügen sie nur über einen einfachen (haploiden) Chromosomensatz.

Ihre einzige Lebensaufgabe ist die Begattung einer jungen Königin. Ihnen fehlen die für jegliche Arbeiten erforderlichen Organe.

 Bei der im Flug stattfindenden Paarung erhält das Weibchen alles Sperma. Das Leben des Drohnen findet im Augenblick der Begattung sein Ende.

Drohnen, die nicht zur Paarung gelangen, werden später aus dem Stock getrieben.

 

3. ENTWICKLUNG, KÖRPERBAU UND KÖRPERFUNKTONEN DER HONIGBIENE

Entwicklung

Die Honigbiene durchläuft während ihrer Entwicklung eine vollständige Verwandlung:

Ei - verschiedene Larvenstadien - Puppe - erwachsene Biene.

Diese dauert bei der Königin 16, bei der Arbeiterin 21, beim Drohn 24 Tage.

Die Embryonalentwicklung geschieht während der dreitägigen Eizeit.

2-3 Stunden nach der Eiablage geht bei besamten Eiern die Befruchtung vor sich.

Im 5-6-tägigen Stadium der Rundmade durchläuft die in den ersten Tagen mit Futtersaft, später mit Honig und Pollen ernährte, schnell wachsende Larve 4 Häutungen.

Dann wird sie zur Streckmade und spinnt sich ein.

Arbeitsbienen versehen die Zelle mit einem luftdurchlässigen Deckel.

Im Ruhestadium werden alle Madenorgane eingeschmolzen und neu gebildet.

Aus der 5. Häutung geht die Puppe hervor, die schon die Gestalt der Biene hat.

Auf eine 6. Häutung folgt nach Durchnagen des Zelldeckels der Schlupf der erwachsenen Biene.


 
Dazu werden der Hinterleib angehoben und die Hinterleibspitze abwärts gesenkt (Sterzeln).

Männliche Keimdrüsen sind Hoden, in denen das Sperma erzeugt wird, und Schleimdrüsen.

Weibliche Keimdrüsen sind die paarigen Eierstöcke. Jeder von ihnen besteht aus bis zu 180 einzelnen Eischläuchen. Die Entwicklung der Eier beginnt in den Spitzenabschnitten der Eischläuche. Der Ernährung des Eies dienen die zu Nährkammern vereinigten Nährzellen. Abwechselnd sind je eine Ei- und eine Nährkammer angeordnet. Die Eierstöcke nehmen den größten Teil des Hinterleibs der Königin ein. Sie münden in Eileiter, die sich zur Scheide vereinigen.

Auch die Arbeiterin hat Eierstöcke mit maximal 20 Eischläuchen. Bei Verlust der Königin können Arbeiterinnen beginnen, unbefruchtete Eier zu legen ("Drohnenmütterchen"). Die Giftdrüse befindet sich am Stachelapparat der weiblichen Tiere Königin und Arbeiterin. Das Bienengift, ein saures Sekret, wird in der Giftblase gespeichert.

 

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